‹ zurück zu allen Andachten

01.05.2026

Losung Mai 2026

Hebräer 6,19: "Die Hoffnung haben wir als einen sicheren und festen Anker unserer Seele."

Hoffnungsanker

Ich find’s physikalisch ja immer sehr erstaunlich, dass so ein kleines Stück Metall wie ein Anker ein großes Schiff an Ort und Stelle halten kann. So ist der Anker ein sehr greifbares Sprachbild für die Verbindung von sowas Beweglichem wie mir mit einem festen Grund. Wo ist aber mein Ankergrund? Die eigenen Kräfte oder die äußeren Umstände sind doch wohl eher Treibsand. Ich brauche einen Ankergrund, der nicht nur fest ist, sondern das auch unanfechtbar bleibt, der für Zeit und Ewigkeit keinerlei Einflüssen mehr unterworfen ist. An dieser Stelle will der Schreiber des Hebräerbriefes von seinen juden-christlichen Lesern genau verstanden werden und wird deshalb leicht anachronistisch: Den Vorhang im Tempel gibt es nicht mehr, aber der Anker liegt dahinter. D.h., der Anker liegt unmittelbar im Allerheiligsten Gottes und unmittelbar vor Gottes Gnadenthron. Jesus Christus hat ihn dort hingelegt, als er den Vorhang zerrissen hat. Die Begründung dieser Hoffnung ist sehr bemerkenswert. Gott hat das doppelt gemoppelt. Die eine Begründung ist sein Wesen – „denn es ist unmöglich, dass Gott lüge“. Weil Gott aber weiß, dass wir zu schwach sind, dass im Glauben zu erfassen, hat er noch bei sich selbst einen Schwur geleistet. Hier geht der Schreiber des Hebräerbriefs auf eine eigenartige Begegnung Gottes mit Abraham zurück, bei der Gott zum Schwur auf seine Verheißungen zwischen einigen zerteilten Tieren durchgeht. Der Sinn dieser antiken Praxis ist die Zusage: Wenn du mich je dabei erwischen solltest, wie ich dir den Schwur breche, darfst du mit mir das machen, was du mit den Tieren gemacht hast. Normalerweise ist dieser Schwur beidseitig, aber Gott nimmt Abraham hier raus und schwört alleine. So besteht die Zuverlässigkeit seiner Verheißungen zu 100% in seiner Gnade und Heiligkeit; Abraham ist ausschließlich ein Empfangender. So ist auch unser Glaube ausschließlich ein empfangender, kein geforderter. Und für diesen Glauben ist die Tatsache, dass Gott aus Gnade alles tut, das Fundament, der Ankergrund unserer Hoffnung vor Gottes Gnadenthron.