Losung 26.April 2026
Prediger 7,29: "Gott hat den Menschen aufrichtig gemacht, aber sie suchen viele Künste."
Titus 2,11-12: "Es ist erschienen die heilsame Gnade Gottes allen Menschen und nimmt uns in Zucht, dass wir absagen dem gottlosen Wesen und den weltlichen Begierden und besonnen, gerecht und fromm in dieser Welt leben."
Geistliche Verantwortung
Die These Salomos, wir seien „aufrichtig“ geschaffen, ist schwer nachvollziehbar. Das liegt daran, dass wir uns und andere immer nur nach dem Sündenfall erleben. Sollten wir das hier als „ehrlich“ verstehen, oder eher im Sinne von „richtig ausgerichtet“ oder „mit einem rechten Sinn ausgestattet“? Das waren Adam und Eva, allerdings nicht als Marionetten, sondern als Freie. Auf diese Freiheit traf – wie bei uns allen – die Einflüsterung: Ihr wärt doch selber als Götter viel besser. Seither ist die ursprüngliche Aufrichtigkeit unter der Sünde verschüttet, die Ausrichtung auf Gott ist weg, und der „in sich selbst verkrümmte Mensch“ (Luther) „sucht viele Künste“. Daraus wiederum resultieren Lebenswandel, Bestrebungen, Ordnungen und Gesellschaften der falschen Ausrichtung, und der „Gott der gegenwärtigen Weltzeit“ (2.Kor. 4) feiert Party. Im Buch Prediger schildert Salomo den von Gott losgelösten Menschen gerade auch in seinem Bemühen, sein Leben durch das „Suchen vieler Künste“ mit Sinn zu erfüllen, und kommt zu dem Schluss: „Alles ist eitel und Haschen nach Wind“. Matthias Claudius ergänzt, dass man sich auf diese Weise nur noch weiter von der einzig sinnvollen Ausrichtung entfernt. An dieser Stelle tritt Gottes Gnade auf den Plan. Paulus schildert sie als eine zupackende Hilfe zu Umkehr und Neuausrichtung. Sie „nimmt uns in Zucht“ heißt, sie zieht uns weg von diesem „Suchen vieler Künste“ und „Spinnen von Luftgespinsten“ und kehrt unseren Sinn zurück in die Ausrichtung, zu der wir geschaffen sind. Die Zeugnisse von Christen, die sich von sehr weit her bekehrt haben, sind oftmals gerade in der Schilderung dessen sehr beeindruckend, welche Sinnesänderung die Gnade bewirkt hat. Die „heilsame Gnade“ hat die Kraft, falsche Ausrichtungen zu zerschlagen und uns den richtigen zuzukehren. Das Vorgehen dieser zupackenden Gnade mag schmerzhaft sein, aber ihr Wirken ist immer heilsam. Diese „heilsame Gnade“ bewirkt einen Lebenswandel in der ursprünglichen Ausrichtung, weil sie die Kraft der Auferstehung Jesu in unser Leben bringt. In Tabor musste ich mir immer anhören, wir Christen seien nicht besser als andere. Das stimmt leider oft, aber von welchem Lebenswandel zeugt das, wenn die Ausrichtung auf Gott sich eigentlich grundsätzlich von der Ausrichtung auf die Welt unterscheiden müsste? Diese Gnade soll doch einerseits eine Absage, andererseits eine Sinnesänderung bewirken, aus der ein von der Ausrichtung auf Gott geprägtes Leben in dieser Welt folgen soll.
