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15.02.2026

Losung, 15. Februar 2026

1.Mose 50,17: "Josefs Brüder baten: Nun vergib doch diese Missetat uns, den Dienern des Gottes deines
Vaters!"
Epheser 4,22: "Seid untereinander freundlich und herzlich und vergebt einer dem anderen, wie auch Gott
euch vergeben hat in Christus!"


Vergebung in Christus!
Eine falsche Lehre von der Vergebung, die in unseren Gemeinden vielfach vertreten wird, erfüllt mich
mit großer Sorge. Sie führt nämlich dazu, dass Schuld nicht bereinigt wird, also bestehen bleibt, und
dass Geschwister in ihrer leidenden Seele nicht befreit, sondern weiter erdrückt werden. Es ist die
Lehre vom „Du musst vergeben!“.
Unversöhnlichkeit ist ein großes Problem, aber Unbußfertigkeit ein noch viel größeres. So bleibt
Sünde nämlich Sünde. Im Sinne des Täterschutzes kommen wir dann schnell zur „billigen Gnade“ und
laden die geistlichen Lasten den Opfern auf. Unversöhnlichkeit ist die Verweigerung von Vergebung,
nachdem Sünde erkannt und bekannt worden ist. Aber soweit kommen wir doch meistens gar nicht.
„Missetat“ ist eben genau das und muss als „Missetat“ erkannt und bekannt werden. Unsere
Gemeindepraxis würde Josefs Brüdern sehr elegante Ausreden bieten: 1. Waren wir das gar nicht,
das waren die Umstände und wir fühlten uns gerade sehr aufgewühlt und überfordert. 2. Warst du
das doch selber mit deiner Aufgeblasenheit und deinen ständigen Träumen. 3. „verfehlen wir uns alle
mannigfaltig“, und du darfst mir das gar nicht anrechnen, weil mir ja sowieso alles vergeben ist.
Was heißt denn „in Christus“? Wir singen „... sein kostbares, teures und heiliges Blut, o Sünder,
vergoss er für dich!“ (- oder zumindest sollten wir es wieder singen). „In Christus“ muss dann doch
heißen, dass wir vor seinem Kreuz als Sünder offenbar werden müssen, dass die Erkenntnis unserer
Sünde uns vor seinem Kreuz in den Zerbruch und in die Buße führen muß. Die Gnade Gottes hat
Christus mit seinem Blut um den teuersten Preis erworben. Wir reklamieren sie für uns als
Ramschware, wir fordern sie von anderen als Ramschware ein, und wenn wir das nicht bekommen,
erklären wir die anderen zu geistlichen Problembären.
Vergebung ist ein Geschenk und ein Gebot Jesu Christi. Ich bekomme sie aus Gnade durch Buße, und
ich soll sie so weitergeben, wie ich sie von Christus bekomme. Das zu tun, ist mir auch eine große
geistliche und seelsorgliche Befreiung. Ich darf vergeben!
Aber Schuld, die nicht zur Buße führt, bleibt genau das, was sie ist. Ich darf sie als solche benennen.
Ich muss sie nicht leugnen, weil Christus sie auch nicht leugnet. Und dann darf ich sie an den „Hirten
und Bischof meiner Seele“ „ver-geben“. Sie ist, was sie ist, aber er hat sie und wird damit gerecht
umgehen. Umgekehrt kann er dann meine Hände, die die Schuld nicht mehr festhalten, mit seiner
Herzlichkeit und Freundlichkeit füllen.
Die Schuld der Brüder war Schuld und hat Josef in große Not gebracht. Erst ihr Zerbruch berechtigt
sie zur Bitte um Vergebung. Für Josef aber gilt ganz unabhängig davon das „Aber Gott“. Der Gott,
dem Josef gehört, regiert jedes Leben, das ihm anvertraut wird, und er läßt sich dabei die Butter
nicht vom Brot nehmen. Dieser Gott „gedenkt, es gut zu machen“.